Verfügbarkeit von Bio-Pflanzenvermehrungsmaterial (PVM)

Verfügbarkeit von PVM (Bezugsadressen und Prüfung)

Auf folgender Seite der föga (Fördergemeinschaft ökologische Zier- und Gartenpflanzen e. V.) sind Betriebe und Firmen aufgelistet, die Bio-PVM produzieren und vertreiben.

Saatgut und Blumenzwiebeln:

https://bio-zierpflanzen.de/anbauerinnen/fachinformationen/bio-anbau/saatgut-und-blumenzwiebeln/

Pflanzgut (Sämlinge, Setzlinge usw.):

https://bio-zierpflanzen.de/anbauerinnen/fachinformationen/bio-anbau/pflanzgut-saemlinge-setzlinge/

Auf folgender Seite kann die Verfügbarkeit geprüft werden: 

https://www.organicxseeds.de/

Mehr Infos siehe » Pflanzenvermehrungsmaterial allgemein.

Verfügbarkeit von PVM im Beet- und Balkonbereich

Viele Gärtnereien produzieren entweder ihre Bio-Jungpflanzen selbst oder kaufen diese von Kolleg:innen zu, die im eigenen Bio-Betrieb Zierpflanzen produzieren.

Nur wenige Bio-Betriebe haben sich auf die Bio-Jungpflanzenproduktion von Beet- und Balkonpflanzen spezialisiert. Zudem hat sich leider eine größere Jungpflanzenfirma aus dem Spezialbereich der Bio-Beet- und Balkonjungpflanzen nach mehrjähriger Produktion zurückgezogen, da der Absatz zu gering war. Gründe für den geringen Absatz waren u. a. die Mindestbestellmengen, die für kleine Betriebe zu groß waren, lange Vorbestellfristen, geringe Sortimentstiefe und schwankende Qualitäten.

So sind gegenwärtig nur wenige Arten/Sorten v. a. als Bio-Saatgut verfügbar. Zudem ist das Saatgut der Sorten, die es in Bio-Qualität gibt, nicht für den Erwerbsgartenbau geeignet, da kein gleichmäßiges Pflanzenmaterial entsteht, welches durch erhöhten Ausfall die Produktion unrentabel machen würde. Sowohl die konventionelle Saatgutgewinnung als auch die Mutterpflanzenhaltung mit anschließender Stecklingsentnahme erfolgt daher nahezu ausschließlich außerhalb Europas, überwiegend in Asien (Saatgut) und Ostafrika (Mutterpflanzen/Stecklinge). Dafür sprechen zum einen die günstigen klimatischen Voraussetzungen hinsichtlich der Tageslänge und Temperatur, aber auch die massive Kostenersparnis im Einkauf von Betriebsmitteln und für den Arbeitslohn. Prinzipiell besteht die Möglichkeit, konventionelles PVM wie unbewurzelte Stecklinge zu beziehen und diese mit einer vorabeingeholten Ausnahmegenehmigung im eigenen Bio-Betrieb zu kultivieren. In der Praxis schränken jedoch wirtschaftliche Überlegungen der Züchterfirmen die Verfügbarkeit hiervon erheblich ein, da die Züchter:innen einige Sorten nur bewurzelt verkaufen, um höhere Gewinne zu erzielen. Außerdem spielt der Sortenschutz oft für die Verfügbarkeit eine Rolle, da lizenzierte Sorten meistens nur an bestimmte Jungpflanzenbetriebe in limitierter Menge abgegeben werden.

Verfügbarkeit von PVM im Staudenbereich

Ein Teil des PVM wird in deutschen Spezialbetrieben für Bio-Jungpflanzenstauden produziert. Die meisten Bio-Betriebe haben ein vielseitiges eigenes Mutterpflanzenquartier im Freiland, aus dem sie Stecklinge für die weitere Produktion entnehmen. Ein Zukauf von konventionellen Stecklingen und weiteren PVM-Materialien ist dennoch nötig, um ein großes und aktuelles Sortiment anbieten zu können. Viele Betriebe versuchen darüber hinaus noch mehr Staudensorten im eigenen Mutterpflanzenquartier zu kultivieren.

Jedoch ist eine schnelle Anpassung der Sortimente in ihrer Vielfalt (durch Gartenbauzeitschriften, Fernsehsendungen usw. und entsprechend daraus entstehender Kundenwünsche) nicht für jeden Betrieb umsetzbar, um die eigene Direktvermarktung, das eigene Mutterpflanzenquartier oder das Angebot für den Garten- und Landschaftsbau auszuweiten.

Dennoch machen sich bereits manche Betriebe auf den Weg, ihre Sortimente an die Verfügbarkeit von PVM in Bio-Qualität anzupassen. Dies ist aber nur für Erzeuger:innen mit ausgewählten Vermarktungswegen möglich, wie beispielsweise durch den Online-Verkauf spezieller Staudenpakete.

Verfügbarkeit von PVM im Schnittblumenbereich

Im Schnittblumenbereich gibt es kleine, direktvermarktende Betriebe mit einem vielseitigen Sortiment und eigener Jungpflanzenproduktion von 1-jährigen Sämlingspflanzen oder mehrjährige Stauden für die Stecklingsentnahme. Vergleichsweise sind Zwiebeln, Knollen und Rhizome zur Produktion von beispielsweise Tulpen, Gladiolen, Ranunkeln oder Pfingstrosen noch nicht ausreichend verfügbar. Auch Samen in Bio-Qualität sind eingeschränkt vorhanden, da es derzeit nur wenige Firmen mit einem kleinen Sortiment gibt. Dadurch ist ein Bio-Schnittblumenanbau mit einem breiten Sortiment in den entsprechenden Farben noch nicht zu realisieren. 

Verfügbarkeit von PVM im Baumschul- und Weihnachtsbaumbereich

Im Baumschulbereich gibt es vor allem Betriebe mit einem vielseitigen Sortiment. Diese veredeln einen Teil ihrer Pflanzen aus eigenen Steckhölzern, Samen und anderem PVM

  • Bei der Veredlung z. B. von Rosen gibt es nur ein sehr begrenztes Angebot an Bio-Sämlingsunterlagen, die größtenteils zugekauft werden müssen. 
  • Die Edelreiser schneiden die Betriebe in ihren eigenen Beständen, neue Sorten kaufen sie konventionell zu. Für ein vielfältiges Sortiment fehlen die Produzent:innen von Bio-PVM. So gibt es insgesamt nur eine Bio-Baumschule, die Bio-PVM an andere Betriebe weiterverkauft. 

In der Bio-Weihnachtsbaumerzeugung sieht das Bio-Angebot für PVM ähnlich aus. Das Angebot an Bio-Sämlingen ist insgesamt sehr gering. 

Sortimentsvielfalt

Zierpflanzen, Staudengärtnereien und Baumschulen pflegen Sortimente von mehreren tausend Arten und Sorten. Insgesamt deckt in allen Bereichen das Angebot nicht die Nachfrage und die entsprechende Sortimentsvielfalt an Bio-PVM ab.

Projekt zur Förderung der Bio-Verfügbarkeit

Mehr qualitativ hochwertiges Bio-Pflanzenvermehrungsmaterial – dieses Ziel hat das in 2023 gestartete BÖL-Projekt: „Analyse, Etablierung und Förderung der Verfügbarkeit von Bio-Pflanzenvermehrungsmaterial (PVM) für Zierpflanzenbetriebe“ (BioZierPVM). Weitere Infos unter: bio-zierpflanzen.de/anbauerinnen/forschung/projekte/biozier-pvm/